Für ein längeres gemeinsames Lernen

Sylvia Löhrmann                                       Foto und Text: Klaus Rederer

Die grüne Bildungsministerin und stellv. Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann berichtet am 7. September im Café D"™Art in Neu-Ulm von ihren Erfahrungen mit der Einführung der Gesamtschule als Regelschule in Nordrhein-Westphalen.

Wir können und wollen es uns nicht leisten, so eröffnete Löhrmann ihren Vortrag, dass auch nur ein Kind in unsrem Bildungssystem auf der Strecke bleibt. Dabei sei der Ansatz der Nordrhein-Westphälischen Gesamtschulen keine Gleichmacherei, sondern vielmehr die möglichst gute und individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers.

Ekin Deligöz und Sylvia Löhrmann             Foto: Klaus Rederer

Mittlerweile gäbe es in NRW 155 Schulen des gemeinsamen Lernens, Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe und Sekundarschulen ohne eigene Oberstufe, aber mit gymnasialen Angeboten für alle Jahrgänge. Die Hauptschulen wurden im Zusammenhang mit dem Ausbau der Gesamtschulen abgeschafft. Es zeichne sich schon nach drei Jahren ein hohes Niveau in den Gesamtschulen ab. So seien die Abiturnoten der Gesamtschüler im Durchschnitt auch nur um 0,3 schlechter, als an den Gymnasien. Dafür seien die Zahlen der Sitzenbleiber und Wiederholer stark gesunken.

Wibke Neulist eröffnete den Abend mit einer Gesangseinlage    Foto: Klaus Rederer

Auf die Frage, ob die Zahl der Privatschulen zwischenzeitlich stark gestiegen sei, meinte Löhrmann, dass man von einer sprunghaften Zunahme nicht reden könne, es wären sogar einige private Gesamtschulen gegründet worden und einige bestehende Privatschulen in Gesamtschulen umgewandelt worden.

Annette Neulist, Bezirkstagskandidatin und Jürgen Filius MdL aus Ulm
Foto: Klaus Rederer

Der  aus NRW stammende Fraktionschef der GRÜNEN im Neu-Ulmer Stadtrat Rainer Juchheim wollte gegen Ende der Veranstaltung noch wissen, wie man den gesellschaftlichen Frieden und den Schulfrieden bei einer so umfassenden Reform habe wahren können. Löhrmann erklärte hierzu, dass eine sehr breit angelegte Diskussion unter Einbeziehung möglichst vieler Beteiligter, Verbände und Parteien geführt wurde.

... aufmerksame Gäste                                   Foto: Klaus Rederer

Außer der FDP und dem Realschullehrerverband hätten sich eigentlich alle beteiligt, besonders lobend hob sie die konstruktive Haltung der CDU hervor, die sich sehr positiv eingebracht hätte. So wäre es gelungen, ein Reformwerk zu schaffen, das nun für zwölf Jahre Bestand haben solle und so lange im Einverständnis aller Beteiligter, keine wesentlichen Änderungen am Nordrhein-Westphälischen Sekundarschulsystem mehr gemacht werden sollen.

Holger Greif, Landtagskandidat                        Foto: Klaus Rederer

Ekin Deligöz die GRÜNE Bundestagsabgeordnete aus Senden schloss den Abend mit den Worten, dass sie hier eine klare Vorgabe und reale Chance auch für die bayerische Bildungspolitik sehe.

Annette Weinreich, Bundestagskandidatin aus Ulm    Foto: Klaus Rederer

Info
Die Gesamtschule arbeitet mit Kindern und Jugendlichen aller Leistungsstärken und hält Laufbahnentscheidungen möglichst lange offen. Aufgrund ihres besonderen pädagogischen Konzeptes sind Gesamtschulen fast immer gebundene Ganztagsschulen. An der Gesamtschule können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erreicht werden, die auch an der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium erworben werden.
Die Gesamtschule umfasst in der Sekundarstufe I die Klassen 5 bis 10 und in der Sekundarstufe II, die(gymnasiale Oberstufe, zurzeit die Jahrgangsstufen 11 bis 13. Bei guten Leistungen können die Schülerinnen und Schüler ggf. direkt in die Jahrgangsstufe 12 wechseln. In die Klasse 5 bis 9 gehen die Schülerinnen und Schüler jeweils ohne Versetzung.
Der Unterricht in den Klassen 5 und 6 wird im Klassenverband erteilt. Er knüpft an Unterrichtsformen und -inhalte der Grundschule an.
Es gibt eine einheitliche gymnasiale Oberstufe an Gesamtschulen und Gymnasien.