Die Allianz für den Machtwechsel steht

Dr. Detlef Kröger                              Foto: Klaus Rederer

Bündnis präsentiert Detlef Kröger als Gegner von Gerold Noerenberg
von Roland Ströbele NUZ vom 08.06.2013

Die vier Neu-Ulmer Stadtratsfraktionen werden mit dem parteilosen Unternehmensberater Dr. Detlef Kröger aus Buch in den Kampf um den Chefsessel im Neu-Ulmer Rathaus ziehen. Gestern präsentieren die Fraktionschefs und die Ortsvorsitzenden aus SPD, FDP Grünen und Freien Wählern den 47-Jährigen in einer gemeinsamen Pressekonferenz, die Karl-Martin Wöhner als historisch bezeichnete. Es sei einmalig in Bayern, dass sich vier Parteien und Wählergruppierungen auf einem gemeinsamen Kandidaten verständigen. Der in der Kommunalpolitik noch unerfahrene Jurist soll bei der Wahl im März des nächsten Jahres dem amtierenden CSU-Oberbürgermeister Gerold Noerenberg den Posten streitig machen.

Dr. Kröger, Karl-Martin Wöhner, Rainer Juchheim                  Foto: Klaus Rederer

Der Präsentation vorausgegangen war ein monatelanges "Kandidaten-Casting", bei dem die Scouts aus SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern mehreren möglichen Bewerbern auf den Zahn gefühlt hatten. Kurze Zeit war auch der Neu-Ulmer Rechtsanwalt Marcus Scharpf als Wunschkandidaten gehandelt worden. Er sprang aber zu einem relativ frühen Zeitpunkt wieder ab. Dass sich die vier Fraktionen nun au Detlef Kröger als Kandidaten geeinigt haben, sei keine Kompromisslösung gewesen, betonten die Sprecher gestern. Im Gegenteil: Der gebürtige Osnabrücker sei mit einem "Riesenabstand" als Sieger aus den Gesprächen mit den Parteistrategen und auch mit den Mitgliedern hervorgegangen. Erst am Donnerstagabend noch hatte sich Kröger der Basis von SPD und Freien Wählern vorgestellt und sei dort auf nahezu einstimmige Unterstützung gestoßen.

Pressekonfernez am 07. Juni 2013 im Hotel RiKu              Foto: Klaus Rederer

Nun muss er nur noch Mitte Oktober von den Parteien und Wählerorganisationen nominiert werden. SPD-Fraktionschef Karl Martin Wöhner erhofft sich dabei Ergebnisse jenseits der 90 Prozent.

Die Sozialdemokraten hatten anfängliche Probleme damit, einen Unternehmer auf den Schild zu heben: "Das war nicht einfach und führte zu internen Rangeleien", musste Fraktionschef Karl-Martin Wöhner zugeben. Allerdings seien sehr schnell gemeinsamen Schnittmengen und Überschneidungen in den Zielsetzungen mit den anderen politischen Partnern deutlich geworden. "Wir haben in der Findungsphase sehr viele Gemeinsamkeiten in den vier Fraktionen entdeckt", erklärte Rainer Juchheim (Grüne) .

"Elefantenrunde" am 6. Mai 2013 im SPD Büro          Foto: Klaus Rederer

Das war nicht immer so: Als sich die vier Rathausfraktionen zu einer Allianz formiert hatten, stand in erster Linie die Ablösung von Gerold Noerenberg im Mittelpunkt, die nach der Einschätzung der Parteistrategen nur gelingen könne, wenn sich das Lager jenseits der CSU einig ist und sich nicht durch eigene Kandidaten gegenseitig Konkurrenz machen.

Gestern wurde das Ziel neu formuliert: Es werde nicht der Kampf gegen Noerenberg und der Machtwechsel im Rathaus im Vordergrund stehen, sondern die Sachthemen. "Wir kämpfen nicht gegen Noerenberg, sondern für unsere Anliegen," kündigte Alf Schömig (FDP) an.

Dr. Kröger und die GRÜNEN, GRÜNES Haus, 3. Mai 2013

Dennoch wollen Kröger und sein Unterstützerbündinis die Unterschiede zum CSU-Mann an der Rathausspitze herausarbeiten. Die Rolle des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters definiere sich an der Bürgernähe, für Entscheidung müsse eine möglichst breite Zustimmung der Bürger da sein, der OB brauche ein offenes Ohr und müsse in der Lage sein zu einem fairen Dialog.

Kröger kündigte an, er sehe sich im Falle seiner Wahl als "Integrator", der sein Amt mit "Kompetenz, Herz und Erfahrung" ausüben wolle, und einen neuen Politikstil" einführen wolle, den er in seinem Wahlkampfslogan zusammengefasst hat: "Miteinander mehr möglich machen.".

Wahlkampfstart auf dem Stadtfest

Sein Wahlkampf beginnt morgen: Da will er sich auf dem Neu-Ulmer Stadtfest zeigen. Nach der Sommerpause startet Kröger eine "Tour des Dialogs" durch alle Stadtteile, um sich allen Wählern bekannt zu machen. Parteigrenzen gibt es da nicht. Alf Schömig: "Wir werden auch CSU-Mitglieder auffordern, unseren Kandidaten zu wählen".