Warnung vor der Atom-Katastrophe

Foto: Klaus Rederer

Etwa 3000 Menschen fordern in Günzburg das sofortige Abschalten des Kernkraftwerks Gundremmingen. Der Weiterbetrieb sei ein riskantes Spiel, sagen die Redner Von Walter Kaiser NUZ vom 11.03.2013

Eine Sirene heult, graue Rauchschwaden steigen auf. Es folgt ein riesiger Knall. Die Lautsprecher vor der Bühne auf dem Günzburger Marktplatz vibrieren. Mit diesem optischen und akustischen Katastrophenszenario beginnt die große Anti-Atom-Kundgebung "Fukushima-Gundremmingen: Abschalten vor dem Gau". Etwa 3000 Menschen waren am Samstag nach Günzburg gekommen, um gegen die Atomkraft und für eine nachhaltige Energiewende zu demonstrieren. Der weitere Betrieb des Siedewasserreaktors in Gundremmingen sei ein riskantes und unverantwortliches Spiel mit dem Feuer, betonten die Redner der Kundgebung. Die Energiewende von Schwarz-Gelb sei propagandistischer Pfusch.

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Eindringlich schildert Heinz Smital, Physiker und Atomexperte der Umweltorganisation Greenpeace, seine Eindrücke aus der Region Fukushima. Er habe verlassene Geisterstädte gesehen, verzweifelte Landwirte, die ihre Böden nicht mehr bestellen können, Familien, die auch zwei Jahre nach der Atomkatastrophe nicht wissen, wo sie einmal leben und arbeiten werden.

Ulmer GRÜNE:     Elke Reuther        Jürgen Filius         Annette Weinreich

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Über die menschlichen Tragödien hinaus habe die Katastrophe gezeigt, dass Siedewasserreaktoren wie in Fukushima und in Gundremmingen im Grunde Fehlkonstruktionen seien. Smital: "Viele technische Probleme wurden erst durch die Katastrophe bekannt." Deshalb sei der weitere Betrieb von Gundremmingen unverantwortlich. Gar ein "Wahnsinn" seien Pläne, die Leistung bei der Stromproduktion von Gundremmingen sogar noch erhöhen zu wollen. Der Physiker: "Damit würde das Atomkraftwerk in den roten Bereich gedreht."

Petition gegen Leistungserhöhung

Um diese Pläne zu verhindern, wird das "Forum - Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik" eine Petition beim Bayerischen Landtag einreichen, kündigte Vorsitzender Raimund Kamm an. "Wir werden öffentlichen Druck machen, um diesen Wahnsinn zu stoppen." Eine Vielzahl von Demonstranten unterschrieb die Petition noch auf dem Marktplatz.

Werner Gloning, DGB, Bürgermeisterin Angelika Fischer, Raimund Kamm, Sprecher des Forums                 Foto: Klaus Rederer

Hubert Weiger, der Landes- und Bundesvorsitzende des Bundes Naturschutz, forderte gleichfalls, die deutschen Atomkraftwerke abzuschalten. Niemand dürfe sich täuschen: Bei einem Unfall in Gundremmingen würde nicht nur Schwaben radioaktiv verseucht. Radioaktives Löschwasser gelange in die Donau und damit auch in fernere europäische Länder. Die Atomkraft und die damit verbundene Produktion von hochgiftigem Müll sei "menschenverachtend und Menschen vernichtend - auf Jahrtausende hinaus", sagte Weiger. Es sei anmaßend zu glauben, ein Endlager könnte eine Million Jahre sicher sein. Weiger: "Welch eine Hybris."

Schwarz-Gelb in Berlin bringe die Energiewende nicht voran, sondern bremse sie bewusst aus. Um die Gewinne der Stromkonzerne zu sichern, würden eine Million Menschen, "die ihr Geld nicht ins Ausland tragen, sondern in die Energiewende investiert haben", ausgehebelt. Schindluder treibe die Bundesregierung im Verbund mit den Wirtschaftslobbyisten bei den Strompreisen. Nicht die Energiewende, die Politik sei der Preistreiber. Weiger: "Das ist eine asoziale Marktwirtschaft, eine soziale Sauerei." Der Kampf für eine ökologische und soziale Energiewende werde weitergehen, kündigte Weiger an. "Wir lassen uns diese Erfolgsgeschichte nicht kaputt machen."

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Pfarrer Stefan Reichenbacher aus Neu-Ulm/Reutti erklärte namens des evangelischen Dekanats Neu-Ulm/Günzburg, das Abschalten der Atomkraftwerke sei auch theologisch begründbar. Denn in der Bibel sei der christliche Auftrag verankert, die Schöpfung zu bewahren. Der Geistliche: "Mit der Atomkraft machen wir uns schuldig an unseren Nachkommen und der Schöpfung."
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http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/Mehr-als-3-000-Demonstranten-protestieren-gegen-Gundremminger-Meiler